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Wissen

Wie kam Cannabis zu seiner Illegalität?

28.Januar 2021 | Manuela

Verbotsschild mit einem Cannabisblatt in der Mitte in pink auf blauem Hintergrund

Wer 2021 als Cannabisunternehmen tätigt ist, muss sich wohl oder übel, früher oder später mit den Mühlen der Justiz auseinandersetzen. Warum ist das eigentlich immer noch so?

Der Gesetzgebung von Cannabis auf der Spur

In den letzten Jahrzehnten erleben wir glücklicherweise eine Welle der Liberalisierung, doch die aktuelle Gesetzgebung ist immer noch überwuchert mit nicht zeitgemässen Auswüchsen. Wie sind diese entstanden? Wie wurde aus einer vielgelobten Nutz- und Heilpflanze eine dämonisierte Droge? Wer die aktuelle Gesetzgebung rund um Cannabis verstehen will, muss ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit reisen, um dort den Herd der unliebsamen Wucherungen zu finden.

Die Hanfpflanze ist gekommen, um zu bleiben

In rund 40 Nationen ist zumindest schriftlich festgehalten, dass ein Umgang mit dem Rauschgift Cannabis die Todesstrafe nach sich zieht. In mindestens acht davon wird diese in Zusammenhang mit Cannabisdelikten noch aktiv umgesetzt (Stand 2017). Gesetzgebungen, die diametral zu den Anfängen der menschlichen Geschichte mit Cannabis stehen.

Für tausende von Jahren ritt die Pflanze auf einer Erfolgswelle. Das robuste Gewächs verteilte sich fast auf dem ganzen Globus und, bemerkenswerterweise, wo sie ankam, blieb sie auch. Dank ihren vielen Nutzungsarten konnte sie sich in lokale Kulturen integrieren.

Ein erstes überliefertes Verbot finden wir im 14. Jahrtausend auf der arabischen Halbinsel. Über dessen Hintergründe ist leider nichts mehr bekannt. Napoleon verbot seinen Soldaten den Besuch in ägyptischen Hasch-Cafés. Die Auseinandersetzung mit der rauschhaften Wirkung von Cannabis führte zu lokalen Einschränkungen. Es blieb aber bei Einzelfällen. Wer die grosse Zäsur sucht, findet sich im 20. Jahrhundert wieder.

Off to the land of the free! – Wie Amerika Einfluss auf die Cannabis-Gesetzgebung nahm

Wer über Cannabisrepression spricht, muss über die Vereinigten Staaten von Amerika sprechen. Auch hier ist Hanf fulminant gestartet. Die ersten Kolonialisten mussten einen Viertel ihrer Anbaufläche der Nutzpflanze überlassen. Die Unabhängigkeitserklärung steht auf Hanfpapier und der erste Präsident, George Washington, war ein Hanfbauer.

Einer ersten Regulierung begegnen wir 1906. Der amtierende Präsident Theodor Roosevelt unterzeichnet den «Pure Food and Drug Act». Ein Gesetz zur Handelskontrolle. Konsument:innen sollten durch Produktdeklarationen und die Einführung der Verschreibungspflicht besser geschützt werden. Cannabis muss in den Medizinbüchern ins Kapitel der Giftpflanzen umsiedeln.

Gescheiterte Alkoholprohibition wird Cannabis zum Verhängnis

Wir schreiben das Jahr 1933. Das «Noble Experiment», die amerikanische Alkoholprohibition ist gescheitert, hat sie doch vor allem eins verursacht: Kriminalität. Das eigens dafür geschaffene «Federal Bureau of Narcotics» steht vor einem Scherbenhaufen. Sein Vorsteher Harry Jacob Anslinger erleidet einen Nervenzusammenbruch. Der Sohn von deutsch-schweizer Migranten war ein ambitionierter Emporkömmling und hatte das Bureau 1930 übernommen. Nun hatte sein Amt seine zentrale Aufgabe verloren, seine Beamt:innen wurden träge, es floss kein Bestechungsgeld mehr und die Wirtschaftskrise setzte die Staatsfinanzen zusehends unter Druck. Die Karriere des Politseiltänzers Anslinger stand vor dem Aus. Ein neues Zugpferd für das Bureau of Narcotics musste her!

Bis anhin hatten sich Anslinger und seine Behörde kaum mit dem Kraut befasst und die Expert:innen stuften es als harmlos ein. Doch Anslinger hatte eine neue Mission gefunden und warf die Propagandamaschine an. Was folgt ist eine beispiellose Hetzjagd und Verteufelung einer bisher eher unbekannten Freizeitdroge. Mit Hilfe verfälschter Polizeiberichte und absurder Anschuldigungen wurde in kürzester Zeit aus einer Heilpflanze eine totbringende Droge. Zeitungsberichte und Unterhaltungsmedien wurden gefüllt mit absurden Horrorgeschichten.

Filmplakat von Reefer Madness

Filmplakat Reefer Madness (1936)

Filmtrailer anschauen

Cannabis-Konsumierende sind alles Junkies!

Ein Beispiel ist der Film «Reefer Madness» von 1936, in dem eine Gruppe Teenager nach dem Konsum von Cannabis zu todbringenden Junkies wird. (). Cannabis wurde zum Feuerteufel der Drogenszene: Ein Zug und du bist ein Junkie! Nur weil sich solche Aussagen heutzutage völlig absurd anhören, dürfen wir ihre Tragweite nicht unterschätzen. In wie vielen modernen Diskussionen rund um Cannabis wird noch von einer Einstiegsdroge gesprochen? Anslinger war ein Kind seiner Zeit und sicherlich nicht der Erfinder der Repression, aber er hat mit seiner Propagandamaschinerie das Bild von Cannabis grundlegend verändert. Noch heute umgibt die Pflanze eine Aura des Bösen und Kriminellen. Aussagen, ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage wurden zum gesellschaftlichen Kanon. Kommt uns irgendwie bekannt vor, nicht?

Cannabis wird zum Sündenbock

Noch Ende des 19. Jahrhunderts ist Cannabis als Nutzpflanze nicht wegzudenken. Berge wurden mit Hanfseilen erklommen, Meere mit Hanfsegeln bereist und feiner Zwirn entstand aus Hanffasern. Noch in den 1880ern brachte das Deutsche Pharmaunternehmen Merck zwei Arzneimittel auf Cannabisbasis auf den Markt. Ein paar Jahre später sollte sich das Blatt wenden. Cannabis wurde vermehrt instrumentalisiert, um andere Interessen durchzusetzen. Was heisst das?

Nehmen wir exemplarisch das jamaikanische «Ganja-Gesetz» von 1913. Auf Druck der weissen Bevölkerung und der Evangelischen Kirche wurde der Konsum und Besitz von Marihuana verboten. Was bisher kein Politikum war, wurde nun von einer elitären Schicht instrumentalisiert, um einen Teil der Bevölkerung zu kriminalisieren. Ein Motiv, dass sich fortan durch die Geschichte von Hanf ziehen wird.

Ein weiteres Beispiel finden wir an der internationalen Opium Konferenz von 1925 in Genf. Wie der Name schon sagt, wurde der Ruf nach einem geregelten internationalen Umgang mit Drogen immer lauter. Cannabis war bis anhin kein Thema und 18 von 19 Staaten sahen hier keinen Handlungsbedarf. Nur Portugal tanzt etwas aus der Reihe und bemerkt die Problematik der «schwarzen Aufsässigkeit nach Cannabiskonsum» in ihrer Kolonie in Angola. Diese «Aufsässigkeit» lag wohl eher an der Besetzung durch eine Kolonialmacht, in der politischen Rhetorik Portugals fand sich aber mit Cannabis eine passendere Erklärung.

Cannabis in den Fängen der Wirtschaft

Anslingers Hetzjagd gegen Cannabis hatte zwar keine wissenschaftliche Grundlage, fand aber trotzdem Zuspruch, nicht zuletzt von einer breiten Koalition aus der Wirtschaft. 1937 wir der «Marihuana Tax Act» ratifiziert und damit wurde auf den Rohstoff Cannabis neue Steuern erhoben. Der Act sollte den Rohstoff Hanf in die Knie zwingen. Die Baumwollindustrie begrüsste die neuen Steuern für die Konkurrenz und Chemiekonzerne, wie zum Beispiel DuPont, konnten so die Ablösung durch künstliche Fasern vorantreiben.

Die amerikanische Anticannabispolitik hatte in der Wirtschaft gewichtige Koalitionspartner, die von einer repressiven Politik profitieren konnten. Der Druck der Wirtschaftsverbände gegenüber dem Rohstoff Hanf sollte sich alsbald auf das internationale Parket ausweiten. Die USA begann systematisch Druck auf Länder auszuüben, die sich der Cannabisrepression widersetzten. Die Wirtschaftsmacht sollte sich, gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und den turbulenten Kriegsjahren, international tonangebend etablieren.

Cannabis als Mittel, um Minderheiten zu unterdrücken

Nicht nur dem wirtschaftlichen Zeitgeist wurde mit einer Cannabisprohibition Rechnung getragen, sondern auch der Marginalisierung von Minderheiten. Die Propagandamaschinerie des Federal Bureau of Narcotics setzte in einem altbekannten Muster, wiederum auf die Kriminalisierung von unliebsamen Bevölkerungsschichten und traf den Puls der Zeit. So hiess es, dass «Cannabisrauchende Afroamerikaner weisse Frauen vergewaltigen» oder «Marihuana Latinos die unschuldige amerikanische Jugend verführten».

Cannabis wurde zum Kerosin des inneramerikanischen Rassismus. Ein Mechanismus, dem sich auch spätere Amtsträger immer wieder bedienten. So unterschrieb Richard Nixon 1970 den «Controlled Substance Act». Mit dieser Unterschrift wurde Cannabis auf eine Stufe mit Heroin und Kokain gestellt. Das geschah im Klima der Antikriegsproteste der 70er Jahre. Die Protestbewegung, bestehend vor allem aus Hippies und dienstverweigernden Afroamerikaner:innen, konnte so untergraben werden. Wiederum mit Hilfe des Sündenbocks Cannabis.

Polemik statt Wissenschaft in der Cannabispolitik

Warum lässt sich die Cannabispolitik des 20. Jahrhundert als Polemik identifizieren? Liest man die bisherigen Zeilen, mag man der Autorenschaft zeitweilen eine tendenziöse Haltung vorwerfen, handelt es sich bei Marihuana ja immer noch um eine berauschende Droge! Das mag sein, doch gibt hier die Autorenschaft zu bedenken, dass die grundsätzlichen Entscheide für eine Cannabisrepression nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen basierten.

Spätestens ab den 1970er Jahren wurde Cannabis in der Strafverfolgung Heroin gleichgestellt. Das, obwohl eine physische Abhängigkeit durch Marihuana nicht nachgewiesen werden konnte. Cannabisbesitz wurde zu einem Kapitalverbrechen und dessen Konsum, in der öffentlichen Meinung, zur Triebfeder für Gewalt und soziale Verlotterung. Einsprüche gegen die Cannabispolemik, wie zum Beispiel die der «American Medical Association», die Cannabis als weitgehend harmlos einstufte, wurden ignoriert. Studien, die nicht dem allgemeinen Tenor entsprachen, wurden beiseitegeschoben. Ein prominentes Beispiel findet sich in den 1940er Jahren:

Der damalige New Yorker Bürgermeister Fiorella La Guardia ernannte eine Kommission, bestehend aus Wissenschaftler:innen, um die medizinischen, soziologischen und psychologischen Aspekte des Cannabiskonsums in New York City zu bewerten. Die Kommission kam zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen Kriminalität und Cannabis, keinen Zusammenhang mit Aggressionen oder antisozialem Verhalten, keine Beweise für Persönlichkeitsveränderungen oder sexuelle Überstimulation gibt. Das Federal Bureau of Narcotics ignorierte diese, und viele weitere Studien. Es ist dieser Umstand, der die damalige Drogenpolitik unglaubwürdig macht. Sie entzog sich jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Sie war ein Instrumentarium für die Umsetzung anderer Ziele.

Was hat die Geschichte von Cannabis nun mit der heutigen Politik zu tun?

Wo lässt das nun uns, Cannabisinteressierte und Hanfunternehmer:innen im Jahr 2021? Leider wirft das Schaffen von Harry Jacob Anslinger Schatten bis in unsere Zeit. Seine Polemik wurde vielerorts übernommen und er war federführend an der Ausarbeitung des UN-Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961 beteiligt. Spätestens bei der Frage nach der Verkehrsfähigkeit von CBD-Produkten wird einem schlagartig bewusst, welche Tragweite die hier beschriebenen historischen Entwicklungen haben. Auch für uns. Auch im Jahr 2021. Nichtsdestotrotz spüren wir das Tauwetter.

In den letzten Jahren denken viele Länder, rund um den Globus, ihre Cannabispolitik neu. Die Zeichen stehen auf Liberalisierung. Es taut auf, aber 80 Jahre Propaganda lassen sich nicht einfach wegwaschen und Hanf hat noch einen langen Weg vor sich bis zu seinem Platz an der Sonne. Es ist wichtig sich bewusst zu sein, auf welchen historischen Entwicklungen die gängige Cannabispolitik beruht. Mit Wissenschaft und Vernunft müssen wir in die Zukunft schreiten. Nur so kann die Heilpflanze Cannabis wieder ihr ganzes Potential zur Schau tragen!

Grünkraft ist stolz, ein Teil des neugedachten Cannabis zu sein und wird auch weiterhin Aufklärungsarbeit leisten, um auch die letzten Gespenster zu verjagen. Mit welchen Herausforderungen unser CBD-Unternehmen konfrontiert ist und wie wir den gesetzlichen Cannabisdschungel meistern verraten wir gerne in zukünftigen Blogs.

Quellen und weiterführende Links

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